Bergische Kräher

Die Bergischen Kräher gehören zu den ältesten heimischen Züchtungen und sind im Bergischen Land seit mindestens 200 Jahren dokumentiert. Ihre „sagenhafte“ Herkunft wurde lange Zeit auf Kreuzritter zurückgeführt, von denen die Tiere im Mittelalter aus dem Nahen Osten, Kleinasien oder dem Balkanraum mitgebracht wurden. Andere Theorien hingegen sahen spanische Mönche als Importeure und Verbreiter der Rasse.

Aufgrund genetischer Untersuchungen wissen wir heute, dass die Bergischen Kräher einerseits Verwandtschaftsbeziehungen zu den Hauben- und Sprenkelhühnern, andererseits zu den westeuropäischen Landhühnern zeigen, was dafür spricht, dass sie aus einer Mischung von Vertretern dieser beiden Gruppen hervorgegangen sind. Exakt in diesen Kontext passt auch ein altes Präparat eines Bergischen Kräherhahnes vom Ende des 19. Jahrhunderts, dass ein Tier mit Schopf, Kronenkamm und Porzellanfarbe zeigt.

Hochbewertete Bergische Kräherhenne
Bergischer Kräher Althahn

Hauben tragende Langkräherrassen finden wir mit den Sandzak- und Kosovo-Krähern im Balkanraum, sodass die Vorfahren der Bergischen Kräher mit großer Sicherheit dort zu finden sind. Von den dortigen Varianten zeigen die Sandzak-Kräher die größten Gemeinsamkeiten mit den Bergischen, sowohl den Krähruf als auch das Erscheinungsbild betreffend. So kommen bei den Sandzak-Krähern neben vielen anderen Zeichnungen auch die der Dobbelung sehr ähnliche Halbmondtupfung und die Pozellanfarbe vor.

Ob diese Langkräher tatsächlich mit Kreuzrittern in Bergische Land kamen, ist jedoch sehr fraglich. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass sie zusammen mit ihren Verwandten, den Hauben- und Sprenkelhühnern, durch niederländische Seefahrern nach Nordwesteuropa gelangten. Möglicherweise haben dann tatsächlich spanische Mönche die Tiere aus den ehemals spanischen Niederlanden (dem heutigen Belgien) ins Bergische Land gebracht.

Das Hauptrassemerkmal der Bergischen Kräher ist ihr verlängerter Krähruf, der heute maximal etwa 10 Sekunden andauert und mit klarer, tiefer Stimme im Vorwärtsgehen vorgetragen wird. Er endet mit dem Schnork, einem Laut, der entsteht, wenn der Hahn nach dem Krähen wieder Luft einsaugt.

Präparat eines Bergischen Kräherhahnes Ende des 19. Jahrhunderts

Bergische Kräher waren früher weitaus variantenreicher als heute. So gab es Gedobbelte in Gold und Silber, Schwarze, die bereits genannten Porzellanfarbigen, einfachkämmige, kronenkämmige, glattköpfige sowie Schopf bzw. Haube tragende Tiere. Im Rahmen der Standardisierung für das Schauwesen hat man sich jedoch nur auf die glattköpfige, einfachkämmige und Goldgeddobbelte Variante festgelegt. Die Übrigen wurden nicht anerkannt und gingen im Laufe der Zeit sukzessive verloren. Ebenso verlor der Krähruf durch die starke Fokussierung auf das Schauwesen stark an Bedeutung. Die Bergischen Kräher sind daher ein besonders negatives Beispiel dafür, wie einseitig ausgerichtete Schauzucht einem alten Landhuhn geschadet hat.

Derzeit gibt es wieder Silbergedobblte, die vereinzelt in der Zucht der Goldenen anfallen und daher stabilisiert werden können. Durch die bereits vorgenommene und weiter zu intensivierende Rückführung an die Langkräher des Balkanraumes können in Zukunft noch weitere der verschwundenen Farb- und Zeichnungsbilder wieder entstehen.

Silberner Bergischer Kräherhahn
Silberne Bergische Kräherhenne

Heute gibt es zwei Hauptzuchtrichtungen: Tiere alter Zuchtrichtung orientieren sich am dokumentierten Ursprungstyp, sind variabler, haben einen höheren Genanteil südosteuropäischer Kräher und in der Regel einen längeren Krähruf. Auch sind sie im Allgemeinen von ruhigerem Wesen als Tiere der stärker auf das Schauwesen ausgerichteten neuen Zuchtrichtung. Der Bruttrieb ist besonders bei Hennen alter Zuchtrichtung vorhanden, kann aber auch bei der neuen Zuchtrichtung in seltenen Fälle auftreten.

Da die Tiere sehr aktiv und gute Futtersucher sind, sollten die Ausläufe von entsprechender Größe und gut umzäunt sein.

Die Legeleistung liegt bei ca. 130 weiß- bis cremefarbigen Eiern mit einem Gewicht von ca. 55-60 g.