Sandžak-Kräher

Die Sandžak-Kräher sind eine der drei Langkräher des Balkanraumes, die seit hunderten von Jahren den Raum zwischen dem Kosovo, Bosnien, Serbien und Montenegro bevölkern. Nach den Überlieferungen alter Züchter sind sie dort aus der Kombination der Bosnischen und Kosovo-Kräher bzw. deren Vorfahren entstanden, was auch insofern plausibel erscheint, da sie Merkmale beider Züchtungen zeigen. So deutet ihre Körpergröße ebenso wie die Länge und Tonlage des Krährufes eher auf die Bosnischen Kräher hin, während die Kopfpunkte mit Spitzhaube und dem häufig vorkommenden Hörnerkamm auf Bezüge zu den Kosovo-Kräher hinweisen.

Nach allem, was wir derzeit wissen, sind die Sandžak-Kräher die maßgeblichen Vorfahren der Bergischen Kräher. Darauf deuten Gemeinsamkeiten in Farbe und Zeichnung (die Dobbelung der Bergischen Kräher ist eine Abwandlung der bei den Sandžak-Krähern vorkommenden Tupfung bzw. Halbmond-Säumung) als auch bezüglich des Krährufes hin. Viele Sandžak-Kräher senken wie Bergische Kräher während des Krähens den Kopf nach unten. Hinzu kommt das Präparat eines Bergischen Kräherhahnes vom Ende des 19. Jahrhunderts, dass einen „Zwischentyp“ mit Kronenkamm und der bei Sandžak-Krähern vorkommenden Porzellanfarbe zeigt.

Sandžak-Kräher sind sehr große, stattliche Hühner mit kräftigem Körperbau, aufgerichteter Haltung, hoch getragenem Schwanz, relativ hoher Stellung, ausgeprägter, teils zur Seite fallender Spitzhaube und Hörner- oder Napfkamm, der bei manchen Tieren jedoch kaum sichtbar ist, sodass sie völlig kammlos wirken.

Der Krähruf liegt zumeist im Spektrum zwischen 10 und 20 Sekunden, jedoch sind auch Krähruflängen von bis zu 30 Sekunden möglich. Der Ruf sollte möglichst tief, melodisch und klar sein.

Da die Sandžak-Kräher zu keiner Zeit im Fokus der Ausstellungszucht standen, zeigen sie deutlich mehr phänotypische Variation als standardisierte Züchtungen. So gibt es in Körperbau und Standhöhe einen Gradienten von eher schlanken, sehr hoch gestellten bis hin zu breiteren, mehr gedrungenen und etwas tiefer gestellten Tieren, ohne dass sich phänotypisch oder geographisch eine klare Grenze zwischen ihnen ziehen ließe. Ebenso ist die Kammform, wie bereits beschrieben, nicht einheitlich. Auch wenn die meisten Tiere blaue Läufe zeigen, kommen gelegentlich, in manchen Zuchten sogar gehäuft, grüne Läufe vor. Diese sind jedoch nicht als Zeichen einer Fremdeinkreuzung zu werten, sondern vielmehr das Erbe der Kosovo-Kräher, deren gelbe Läufe auf derselben Erbanlage beruhen wie grüne Läufe. Zudem kommen auch bei den Bosnischen Krähern grüne Läufe vor.

Eine große Vielfalt herrscht bezüglich Farbe und Zeichnung. Auch hier fand niemals eine Zucht auf Einheitlichkeit statt. Mögliche Farbvarianten sind zum Beispiel schwarz, weiß, blau (mit oder ohne Säumung), schwarz-weißgescheckt, schwarz-gold, schwarz-silber, schwarz-goldgesattelt, schwarz-silbergesattelt, goldsprenkel, silbersprenkel, gold-schwarzgetupft, silber-schwarzgetupft und porzellanfarbig (bzw. rot-oder tollbunt).

Bei der Sattelung handelt es sich um eine Variante der Birkenfarbe, bei der die Halszeichnung, speziell des Hahnes, stark verdunkelt ist.

Sandžak-Kräher sind aufgrund ihres zutraulichen Charakters, ihrer guten Legeleistung von 160-180 weißen bis hellbraunen Eiern, ihrer Farbenvielfalt und des bei den Hennen oft vorhandenen Bruttriebes ideale Hühner für Hobbyhalter und Selbstversorger.

Primäres Zuchtziel sollte sein, diese Eigenschaften zu bewahren und die Züchtung in ihrer heutigen phänotypischen Vielfalt und genetischen Diversität zu erhalten.